Manche Dinge lassen dich nicht mehr los..

15 Jahre Orca Morgan

Einleitung: Morgans Geschichte 

Heute vor 15 Jahren wurde der Orca Morgan vom Dolfinarium Harderwijk gerettet. Ausgehend von mehreren Meldungen schwamm das geschwächte Tier mindestens seit einer Woche im Wattenmeer nahe Lauwersoog herum. Kurz danach tauchten die ersten Fotos von Morgan auf, von einem Boot aus aufgenommen vom LNV (das ehemalige Ministerium für Landbau, Natur und Nahrungsqualität). Schnell wurde es deutlich, dass es um einen jungen Orca ging. Es wurde Kontakt mit dem Dolfinarium Harderwijk aufgenommen, um einen Rettungsplan und das Aufnehmen des geschwächten Tiers zu realisieren. Das Dolfinarium hatte dafür die nötige Erfahrung und Einrichtungen und war bereit, dies auszuführen. So geschah es, sie wurde gerettet und in den Tierpark von Harderwijk gebracht um sie dort zu rehabilitieren. Wenn man die Bilder aus dieser Zeit sieht, ist es eigentlich unglaublich, dass Morgan nocht lebte. Sie war extrem abgemagert. So mager, dass sie ein Jahr jünger geschätzt wurde; 2 bis 3 Jahre alt, obwohl später bekannt wurde, dass sie wahrscheinlich 3 bis 4 Jahre alt war. Sie wog bei ihrer Ankunft im Dolfinarium 430 Kilogramm und war 3,57 Meter lang. Ein normales Gewicht für einen Orca ihres Alters wäre mindestens 660 Kilogramm laut der Tierärzte damals, (aber angesichts dessen, dass sie jünger geschätzt wurde, muss dieser Unterschied noch viel größer gewesen sein!) Körperfett war so gut wie gar nicht vorhanden und sie schien auch eine Lungenentzündung zu haben. Es war klar, dass dieses Tier auf der Schwelle des Todes balancierte und viele Experten glaubten, dass sie die erste Woche nicht überleben würde.

Ich erinnere mich an die Zeit als wäre es gestern gewesen. Wer meine früheren Blogs und Artikel gelesen hat, weiss, das ich meist versuche, meine eigene Meinung und Emotionen im Hintergrund zu halten und vor allem sachlich schreibe, aber dieses Mal möchte ich etwas persönlicher werden in Bezug auf Morgans Geschichte. Ein Tier, was ich nun schon seit 15 Jahren beobachte und besuche. Ihre Geschichte rührt mich persönlich sehr stark an, das hat sie immer schon getan. Nun sind 15 Jahre vergangen und sie lebt noch immer gesund und munter im Loro Parque. Inzwischen ist sie Mutter eines prächtigen Sohnes namens Teno. Manche Dinge lassen einen nicht mehr los.... Am bewussten Tag vor so vielen Jahren war ich inmitten meiner Ausbildung zur Tierpflegerin. Ich hatte von je her ein außergewöhnliches Interesse an Meeressäugetieren, dank Besuchen von mehreren Zoos, aber der Orca war immer mein Lieblingstier. Ich war als Kind davon besessen. Ich hatte Spielzeug, Fotos, fertigte jeden Tag Zeichnungen von Orcas an und schrieb Geschichten über sie. Auch das hat mich nicht mehr losgelassen. Die Bestätigung, dass ein Orca vor unserer Küste herumschwimmen sollte, kam am 22.6.2010, meinem Geburtstag. Einen Tag später wurde Morgan vom Dolfinarium gerettet. Ich war derzeit im Urlaub in Frankreich im Marineland, einem von zwei Parks, mit Orcas in Europa die man besuchen konnte. Die Neuigkeiten, dass ein Orca in unserem eigenen Dolfinarium war, machte mich sofort sehr aufgeregt. Ich kam sogar extra deswegen früher zurück vom Marineland. Mit den französischen Orcas noch frisch vor Augen war ich einer der ersten Menschen, die Morgan sehen durften. All mein Enthusiasmus schlug sofort um. Ich wurde so tief traurig beim Anblick Morgans, da sie soeben erst aufgefangen worden war. Was war sie abgemagert! Sie sah gar nicht mehr wie ein Orca aus, sie hatte nicht die Gestalt eines Orcas und auch nicht das Verhalten eines Orcas. Dies war ein enorm schwaches und totkrankes Tier. Mir kam sogar der Gedanke, ob man sie nicht besser einschläfern sollte, um ihr all das Leid zu ersparen. Etwas, was übrigens noch immer oft bei gestrandeten Schweinswalen und Delfinen gemacht wird.

 Oben: Morgan im Dolfinarium Harderwijk vor 15 Jahren. Auf den Fotos ist gut zu sehen, wie schwach und mager sie war, und hier hatte sie sich sogar schon etwas erholt.

Wunderbarer Weise erholte sich Morgan immer mehr im Dolfinarium. Etwas, das ich auch nach all den Jahren noch fordere, ist echt Hut ab für das Team des Dolfinariums, die ein Tier, das so extrem schlecht zurecht war, wieder gesund bekommen haben. Mit einem Expertenteam und sehr intensiver Versorgung gewann Morgan ihre Stärke zurück, bis zu dem Punkt, dass man schauen musste, wie der nächste Schritt aussehen sollte. Was nun? Das eigentliche Ziel der Rehabilitation ist es, das Tier wieder zurück in seine natürliche Umgebung zu bringen. Aber was war in diesem Fall überhaupt die natürliche Umgebung? Woher kam Morgan eigentlich? Orcas kommen in allen Weltmeeren vor und sie hätte aus der halben Welt hergeschwommen sein können, um in den Niederlanden anzukommen, nach ihrem Zustand zu urteilen. Orcas haben einzigartige Dialekte, Jagdstrategien und Ernährungen basierend auf ihrer Herkunft. Es war somit essentiell wichtig zu wissen, woher sie kam um sie wieder in die Wildnis zurückbringen zu können. Und selbst dann ist das lange noch nicht immer möglich. Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Tier nicht in die Wildnis zurückkehren kann. So kann das Tier eine Abweichung oder Behinderung haben und/oder anhaltende Gesundheitsprobleme, wofür es beispielsweise Medikamente oder einen angepassten Lebensraum nötig hat. Auch Jungtiere die noch nicht gelernt haben, zu jagen und allein zu überleben, sind keine geeigneten Kandidaten zum Auswildern. Im Fall von Morgan schienen alle diese Umstände Realität zu sein. In Harderwijk wurde es nur vermutet, aber später wurde es getestet und bewiesen; Morgan schien taub zu sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies auch die Ursache war, dass sie ihre Familiengruppe verlor. Eine Gruppe unabhängiger Experten beschloss damals, dass sie unmöglich in der Wildnis überleben konnte, ohne ihre eigene Familiengruppe. Das liegt daran, dass Orcas in der Wildnis in komplexen sozialen Gruppen leben, was vor allem für junge Tiere essentiell ist, um zu überleben. Sie in eine willkürliche Gruppe wilder Orcas zu integrieren, wurde als zu großes Risiko beschrieben und als unrealistische Prozedur. 

Es wurden Anstrengungen unternommen, Morgans genaue Gruppe zu lokalisieren. Eine Reihe Methoden die hierfür genutzt werden, sind das Vergleichen von DNA, Aufnahmen der Laute und Fotos ihrer Rückenfinne um sie mit der Datenbank studierter Orcapopulationen zu vergleichen. Leider kam hier kein genaues Resultat bei heraus. Der nächste Schritt war, ein permanentes neues Zuhause für Morgan zu finden, wo sie mit Artgenossen zusammen leben konnte. In Harderwijk konnte sie letztendlich nicht bleiben, denn hier gab es nicht genug Platz für sie und auch keine Artgenossen. Dies ist auch nie die Absicht des Dolfinariums gewesen.  Das Schicksal, dass Morgan nun nicht mehr in die Wildnis zurückkehren sollte, gefiel nicht jedem. Es wurde sogar weltweit negativ reagiert und selbst heute ist es für Viele noch ein sensibles Thema. Verschiedene Tierrechtsorganisationen kamen zum Vorschein und zogen die Absichten des Dolfinariums in Zweifel. Die „Free Morgan Foundation“ war eine der Gruppen, die eine große Rolle dabei spielten. Diese Menschen standen derzeit auch mit Bannern vor dem Dolfinarium und protestierten. Ich bin einmal mit ihnen ins Gespräch gekommen. Dabei fragte ich auch, ob sie wussten, dass es durch Experten gesagt wurde, dass Morgan wahrscheinlich nicht überleben würde in der Wildnis. Die Antwort die ich bekam, war: „Besser sie lebt einen Tag in der Wildnis und stirbt dann, als dass sie noch Jahre in einem Zoo lebt“. Absurd, so etwas zu hören. Es ging also gar nicht um das Tier. Sie wünschten Morgan lieber einen frühen Tod in der Wildnis, als noch ein gesundes, langes Leben in einem Tierpark. Es ging also wortwörtlich nie um Morgan, sondern um in dieser Diskussion die eigene Meinung durchzusetzen und zu gewinnen! Das ist auch sehr ärgerlich, wenn man weiss, wieviel Zeit, Mühe und Emotionen die Versorger im Dolfinarium in das Gesundpflegen von Morgan gesteckt haben. Dasselbe Team, das sogar Drohbriefe von Tierrechtsaktivisten bekam und die als Tierquäler und Mörder beschimpft wurden.... Es ist genau anders herum in meinen Augen.

 

Es wurde sogar eine Klage angestrengt um Morgans Schicksal neu zu bestimmen. Das Ergebnis davon (und von vielen anderen Klagen die darauf folgten) war erneut, dass Morgan einfach nicht in der Wildnis überleben kann. Inzwischen lebt sie schon seit 14 Jahren im Loro Parque, der überwiegende Teil ihres Lebens. Sie lebt dort trotz ihrer Behinderung in einer Gruppe mit Artgenossen. Sie ist sogar der dominanteste Orca der Gruppe! Jeden Tag steht ein Team aus Trainern, Tierpflegern, Tierärzten und anderen Spezialisten für sie parat. Es wurden verschiedene angepasste Trainingsmethoden für sie entwickelt, so dass sie nicht vom Training ausgeschlossen wird, und als Krönung des Ganzen hat sie vor zwei Monaten Teno geboren, einen gesunden Sohn. Dennoch haben Tierrechtsaktivisten sich all die Jahre gegen einen Transport von Morgan in den Loro Parque gestemmt. Noch bis heute verklagen sie den Park und denken sich allerlei Märchen über Morgan aus, und dass es ihr angeblich schlecht geht. All die Jahre habe ich diese Märchen häufig entkräftet, indem ich Morgan besuchte und beschrieb, was ich gesehen habe. Dies werde ich auch weiterhin tun. Ich kann nicht begreifen, dass Tierrechtsaktivisten soviel Zeit, Energie und vor allem auch viel Geld in ein Tier investieren, das ein schönes Leben hat, in einem der besten und schönsten Zoos Europas mit den höchsten Standards für Tierpflege und Wohlbefinden. 15 Jahre lang Klagen, Werbematerial etc. Und jedes Mal urteilt der Richter zu ihrem Nachteil. Hätten sie das ganze Geld statt dessen in ein Orcaschutzgebiet gesteckt, dann hätten sie vermutlich etwas wirklich Wichtiges für die Tiere in der Wildnis erreicht, die das sehr nötig hätten. Ich besuchte Morgan und ihren Sohn sowohl als Zoobesucherin, als auch hinter den Kulissen und habe erneut aufgeschrieben und festgestellt, was ich gesehen habe. Ebenso ein neues Interview mit dem Loro Parque Team. Lest, schaut und formt dann euer eigenes Urteil

 Oben: Morgan an verschiedenen Tagen im Loro Parque während meines neuesten Besuchs bei ihr. Sie ist weit gekommen seit ihrer Zeit im Auffangbecken in Harderwijk.

Teno

Im Februar 2025 bestätigte der Loro Parque, dass Morgan trächtig war. Dies kam nach einer Welle von Vermutungen, die Besucher des Parks aussprachen und verschiedenen Menschen online, nachdem sie neueste Fotos von Morgan gesehen hatten, die sie mit einem ansehnlichen, dickeren Bauch als sonst zeigten. Die offizielle Bekanntmachung kam ziemlich spät, angesichts dessen, dass geschätzt wurde, sie würde zwischen Ende Februar und Anfang März gebären. Tierrechtsaktivisten reagierten überaus negativ auf diese Neuigkeiten, aber das galt auch für einige andere Menschen, selbst Vorstände von Zoos. Der Loro Parque wurde in den letzten Jahren nämlich sehr umstritten, nachdem mehrere Orcas in kurzer Zeit im Park starben. Inzwischen schloss in Frankreich das Marineland, der einzige andere Park in Europa mit Orcas. Dieser Park nannte die zurückgehende Besucherzahlen (was auch durch Tierrechtsaktivisten verursacht wurde), aber auch ein Gesetz, das 2026 in Kraft tritt, als Ursache für die Schließung. Dieses Gesetz verbietet die Zurschaustellung der Orcas in Shows, aber auch das bloße Präsentieren dieser an eine Öffentlichkeit. Damit ist der Loro Parque nun der einzige Zoo in Europa, der Orcas hält. Dies ruft bei vielen Menschen Fragen auf. „Muss dann noch mit Orcas gezüchtet werden? Nun, da es keine anderen Haltungen mehr gibt, um sie eventuell unterzubringen?“ Dies war eine von vielen Fragen, die online und in unterschiedlichen Medien gestellt wurden. Durch all diese aktuellen Fragen der vergangenen Jahre standen Orcas in Menschenobhut wieder voll im Rampenlicht. Auch die Ankündigung von Morgans Trächtigkeit trug dazu bei. Am 31.3.2025 war es dann endlich soweit. Morgan gebar ein männliches Kalb. Die Geburt fand Kopf voran statt, was ungewöhnlich ist und nicht ohne Risiko. Normalerweise werden Orcas mit der Fluke voran geboren, um das Ertrinken zu verhindern. Zum Glück verlief alles gut und das Kalb wirkte stark und gesund. Auf Videos der Geburt ist auch zu sehen, wie Morgan ihr Kalb an die Wasseroberfläche führt, zum ersten Atemzug. Auffallend war die schnelle und offene Kommunikation des Loro Parque während Morgans Trächtigkeit und in den Monaten nach der Geburt. Es gab viele Updates in Form von Fotos und Videos auf dessen Social Media Seiten. Auch wurde auf Fragen eingegangen, die die Öffentlichkeit zur Trächtigkeit und Geburt hatte. Wo der Park sich in der Vergangenheit mehr zurückgehalten hatte im Bereich solcher Ankündigungen, wurde die Öffentlichkeit diesmal komplett in den Prozess mit einbezogen. Dafür bekam der Park online viel Lob. Er ließ die Öffentlichkeit sogar Namensvorschläge einschicken und für den endgültigen Namen abstimmen, sobald das Geschlecht des Kalbs bekannt war. Ein starker Kontrast zu den Artikeln die verschiedene Tierrechtsorganisationen in den Medien veröffentlichten, die dazu offenbar Einfluss zu nehmen versuchten. „Wieder ein Leben das zur Gefangenschaft verurteilt ist“, war eine der wortwörtlichen Überschriften die genutzt wurden. Nach der Geburt folgte eine sehr kritische Periode. Das Wichtigste war, festzustellen, ob Morgan dieses Mal genug Milch produzierte, angesichts dessen, dass sie bei ihrem ersten Kalb wenig oder gar keine Milch gab. Am Anfang schien das Kalb nur kurze Augenblicke zu trinken, was darauf hinweisen kann, dass es nicht genug Milch abbekam. Aber recht schnell wurden diese Trinkmomente länger, was darauf hinwies, dass das Säugen gut verlief. Dies wurde später bestätigt. Ein Meilenstein für das Team und den ganzen Loro Parque! Die drei zuvor geborenen Orcakälber des Parks mussten alle von den Trainern per Hand aufgezogen werden auf Grund von Komplikationen, aber nun wird zum ersten Mal ein Kalb von Beginn an durch seine Mutter im Orca Ocean aufgezogen!

Interview

Genau wie beim letzten Artikel interviewte ich Dr. J. Almunia, um mehr Informationen und Erklärungen zu bekommen. Um einen besseren Eindruck von der Situation zu bekommen, stellte ich ihm folgende Fragen:

Wie geht es Morgan und Teno jetzt

Es geht ihnen sehr gut. Von Anfang an war Morgan aufmerksam und eine vorbildliche Mutter, genau wie schon bei ihrem ersten Kalb. Teno folgt ihr von Beginn an auf dem Fuße und es gibt viele Säugemomente. Er scheint zufrieden und alle Zeichen deuten darauf hin, dass es beiden sehr gut geht. Wir haben noch keine exakten Daten wie Blutuntersuchungen oder das Gewicht weil diesmal keine Intervention durch unser Team nötig war und alles bisher perfekt verläuft. Darum greifen wir nun auch nicht ein, um ihn zu wiegen oder zu untersuchen.

Wann stellten Sie fest, dass Morgan trächtig war?

Wir machen immer regelmäßig Ultraschall bei den Weibchen, um zu wissen, wann sie ihren Eisprung haben und sie dann rechtzeitig von den Männchen trennen zu können. Auf diese Weise müssen wir keine Verhütungsmittel benutzen, die auf lange Sicht gesundheitsschädlich sein können. Ab einem bestimmten Moment sahen wir eine Veränderung in den Hormonen und entdeckten bei Morgan einen Fötus. Der war zu diesem Zeitpunkt schon einige Monate alt. 

Beim letzten Mal war Morgans Trächtigkeit nicht geplant - Wie war das diesmal?

Auch diesmal war es eine natürliche Paarung und nicht geplant. Es fiel zeitlich so gut wie zusammen mit dem Zeitpunkt, als wir mit den Tierärzten besprachen, Morgan nicht länger von den Bullen zu trennen und ihr die Chance zu geben, erneut Mutter zu werden, da dies Teil des natürlichen Verhaltens ist.

Welche Vorbereitungen wurden während Morgans Trächtigkeit getroffen?

Als die Geburt sich näherte, fing das Personal an, Nachtschichten einzulegen. Das Geburtsdatum zu berechnen, ist immer schwierig, aber da wir die Hormone und den Eisprung messen, dachten wir, eine gute Schätzung vornehmen zu können. Dennoch dauerte es letztendlich viel länger als erwartet. Tatsächlich war dies die längste registrierte Orcaträchtigkeit in Menschenobhut! 5-6 Tage länger als der vorige Rekord von SeaWorld in den USA. Als die Geburt sich näherte, wurde Morgan im A-Pool untergebracht, und alles für das Kalb vorbereitet. Auch für den Fall, dass wir erneut hätten eingreifen müssen, um eine Handaufzucht zu machen oder dem Kalb medizinische Versorgung anzugedeihen.

Wie verlief die Geburt? War alles wie erwartet?

Es ging alles gut, obwohl es eine Kopf-voran-Geburt war, was ungewöhnlich ist, aber vorkommt. Es ging auch sehr schnell. Normalerweise verläuft es innerhalb von 24 Stunden nachdem die ersten Anzeichen bemerkt werden. In diesem Fall hatten die speziellen Tierärzte nicht genug Zeit, um herzukommen. Die Geburt begann gegen 5 Uhr morgens, wodurch wir auch sehr deutliche Bilder haben. Morgan verhielt sich herausragend.

Morgan hatte früher Probleme mit der Milchproduktion, wie war es diesmal, und wie wird das überwacht?

In freier Wildbahn ist es ziemlich normal, dass es bei der ersten Geburt Komplikationen gibt. Das bedeutet nicht, dass sich dieselben Probleme ein zweites Mal wiederholen müssen, aber wir waren natürlich gut vorbereitet auf so ein Szenario. Am Anfang war das Säugen nur kurz, was darauf hinweisen kann, dass es nicht sehr erfolgreich war. Danach wurden die Säugeintervalle länger, und ein noch besseres Anzeichen war, dass Teno nach Milch fragte, indem er seinen Kopf gegen Morgans Bauch drückte, danach säugte er und danach fragte er einige Zeit nicht mehr nach Milch. Dies war für uns ein Anzeichen, dass er zufrieden war. Hätte er nicht genug Milch bekommen, hätte er öfter hintereinander um Milch gefragt.

Ist Morgan eine gute Mutter?

Sie ist von Anfang an eine vorbildliche Mutter gewesen: Sehr aufmerksam und mit einem guten Mutterinstinkt. Dies weisst darauf hin, dass mütterliches Verhalten nicht komplett gelernt werden muss, sondern sicherlich auch instinktiv ist. Morgan war noch sehr jung, als sie vom Dolfinarium gerettet wurde, und hatte dadurch keine Erfahrung oder die Chance, mütterliches Verhalten zu erlernen. Da wir bei ihrem ersten Kalb eingreifen mussten, sagten die Leute: „Natürlich war sie keine gute Mutter, sie war viel zu jung um das gelernt zu haben.“ Aber das ist Unsinn. Der Grund warum wir eingreifen mussten, war ihre Unfähigkeit, Milch zu produzieren, ihr Mutterinstinkt ist immer schon sehr gut gewesen.

Ist Morgan im Moment das dominanteste Tier der Gruppe?

Ja das ist sie, weil sie im Moment das einzige Weibchen ist. Die Rangordnung in der Gruppe ist verschoben durch den Verlust einer Anzahl von Tieren, darunter andere Weibchen. Adan und Tekoa streiten sich um den zweiten Platz. Adan hatte schon immer eine starke Verbindung zu Morgan, während Tekoa diese soziale Verbindung nicht hat, aber physisch viel größer ist. Wahrscheinlich wird sich das in ein paar Monaten zugunsten von Adan lösen.

Verläuft Tenos Wachstum und Entwicklung bis jetzt normal?

Weil Morgan Teno dieses Mal selbst aufzieht, können wir ihn noch nicht wiegen oder messen. Wir vertrauen vor Allem auf visuelle Beobachtungen von Wachstum und Verhalten. Bis jetzt sieht er gesund aus, ist voller Energie und zeigt ein normales Wachstum. Wir können erst beginnen ihn zu wiegen, wenn er freiwillig auf die Waage kommen kann, was erst viel später passieren wird, wenn sein Training beginnt. Alles scheint in Ordnung zu sein.

Kannst du etwas zu Tenos Verhalten in diesen ersten Monaten sagen?

Die ersten Wochen war er ganz auf seine Mutter fokussiert: Er folgte Morgan überall hin und säugte regelmäßig. Nun beginnt er, etwas selbstständiger zu werden, erkennt seine Umgebung mehr und zeigt Neugier. Am Anfang folgte er Morgan immer automatisch, wenn wir sie in einen anderen Pool brachten, aber ab einem bestimmten Moment weigerte er sich kurz, mitzukommen und die Trainer mussten ihn motivieren. Zum Glück geht das inzwischen schon besser. Diese Entwicklung des Lösens von seiner Mutter ist interessant. Weil er noch nicht trainiert ist, können wir keine positive Verstärkung benutzen mit Belohnungen wie Fisch oder Spielzeug. Am Anfang ist das Zusammensein mit seiner Mutter der einzige positive Anreiz in seinem Leben. Wir versuchen, sein Selbstvertrauen zu stimulieren, indem wir die Tore öffnen und ihn die verschiedenen Becken kennenlernen lassen. Auch haben wir angefangen, ihm Spielsachen, Wackelpudding und Eis anzubieten. Dies hat in anderen Parks mit jungen Delfinen auch gute Resultate erbracht.

Wurden spezielle Maßnahmen in seinem Lebensraum vorgenommen seit seiner Geburt?

Als sich die Geburt näherte, wurde Morgan von den erwachsenen Männchen getrennt. Darüber hinaus waren keine besonderen Anpassungen am Beckensystem nötig

 

Hat Teno zu diesem Zeitpunkt schon die anderen Orcas getroffen?

Nur visuell durch die Gitter der Tore und natürlich durch Vokalisationen. Es wird noch einige Monate dauern, bevor wir ein Treffen zulassen werden. Das wird auch nur schrittweise durchgeführt werden, mit viel Vorsicht, weil er noch so klein ist.

Ist Tenos Vater schon bekannt?

Nein. Wir vermuten, dass es Keto ist, aber momentan ist es noch nicht möglich, eine Blutabnahme zu machen. Das hat auch keine Priorität, da die Genetik vor allem wichtig ist, wenn man mit dem Tier züchten möchte. Teno ist mit einigen Weibchen im Park verwandt, und noch viel zu jung um sich fortzupflanzen, daher hat das keine Eile. Sobald er für Blutabnahmen trainiert ist, können wir es feststellen. Zur Zeit liegt der Fokus ganz auf seiner Gesundheit

Gibt es zur Zeit Risiken oder Sorgen, worauf ihr speziell achtet?

Nicht im Moment. Unsere Trainer und Tierpfleger haben Wechselschichten um sein Verhalten und Säugeintervalle gut zu beobachten, aber es gibt zur Zeit keine speziellen Sorgen.

Wird Teno auch in wissenschaftliche Untersuchungen einbezogen?

Fast von seiner Geburt an! Wir wollten eine Studie mit Zellen aus der Plazenta machen, aber die sank direkt auf den Boden des Pools und konnte nicht schnell genug herausgefischt werden. Wir haben aber 24/7 Audioaufnahmen aus seinem Gehege die benutzt werden sollen, um die Entwicklung seiner Lautäußerungen zu verfolgen. Am Anfang sind die Geräusche, die ein Kalb von sich gibt, noch unzusammenhängend, aber danach beginnt es, andere Tiere zu imitieren. Unsere ganzen Systeme nahmen schon Wochen vor der Geburt auf, so dass wir Daten von Beginn an haben. Wenn andere Parks oder Wissenschaftler daran interessiert sind, können wir unsere Beobachtungen natürlich auch teilen.

Was hält die (nahe) Zukunft für Teno bereit? Wird das Gehege der Orcas noch vergrößert?

Er soll in den nächsten 6-9 Monaten Interesse an Fisch entwickeln und anfangen, diesen zu fressen. Von diesem Moment an kann sein Training beginnen. Möglicherweise auch schon früher mit Spielzeug, Wackelpudding oder Eis als Belohnung. Es bestehen seit Jahren Pläne, das Orcabeckensystem auszuweiten auf ein Areal neben dem Park. Das war ursprünglich geplant, als wir noch 6 oder 7 Tiere hatten. Nun haben wir aber nur noch 3 ausgewachsene Tiere. Wir haben auch noch keine Genehmigung, und das kann 5-10 Jahre dauern. Obendrein wissen wir nicht, wie die Situation zu diesem Zeitpunkt sein wird bezogen auf Orcas in Menschenobhut, da wir nun der einzige Park in Europa sind, der diese Art hält. Wenn die Genehmigung kommt, können wir die Situation neu bewerten. Wir haben eine Wunschliste mit Dingen, die wir im neuen Beckensystem einführen wollen, wie eine Wellenmaschine und andere Beschäftigungsmaßnahmen.

Es gibt gehörig Kritik von Tierrechtsaktivisten online, aber auch von populären Medien, auf Grund dessen, dass mehrere Orcas inneralb kurzer Zeit im Loro Parque gestorben sind, darunter auch Morgans voriges Jungtier. Was können Sie hierzu sagen?

Ich denke, dass wir der transparenteste Park von allen waren, wenn es um Krankheiten, Todesursachen, Nekropsieberichte und so weiter unserer Tieren geht. Mehr als alle anderen Parks weltweit die Orcas halten. Wir wenden viel Sorgfalt auf, alles an stofflichen Resten so schnell und frisch wie möglich an eine unabhängige Universität auf Gran Canaria zu senden, wo absolute Experten arbeiten, die wissen, wie sie eine Nekropsie ausführen müssen, und sehr akkurat

nachvollziehen können, was mit diesen Tieren los war. Wir haben auch selbst ein Team aus unabhängigen Tierärzten kontaktiert, um die Todesursachen all unserer Orcas zu untersuchen und festzustellen, ob sie natürlich waren oder nicht. Ihr Ergebnis war eine Reihe Berichte, worin festgestellt wurde, dass alle Todesfälle natürliche Ursachen hatten und nicht verursacht oder beeinflusst wurden durch ihre Haltung in Menschenobhut. Diese Berichte wurden auch auf dem Orca-Symposium in Tarifa vor anderen Tierärzten und Experten vorgestellt, und wurden weltweit mit anderen Professionellen geteilt. Wir haben in dieser Sache nichts zu verbergen. Diese Todesfälle waren tragisch, hatten aber alle verschiedene Ursachen:

Skyla hatte eine Darmtorsion (Darmverschlingung). Dies passiert auch in der Wildnis und ist schon öfter bei Orcas in Menschenobhut vorgekommen. Es ist eine sehr akute Erkrankung, die, einmal festgestellt, nicht mehr behandelbar ist. Skyla war ansonsten ein gesunder Orca..

Kohana hatte einen Herzfehler, wobei sich die Verbindung zwischen dem Herz und den Schlagadern nach der Geburt nicht vollständig schließt. Normalerweise schließt sich diese Verbindung einige Wochen nach der Geburt, wenn die Nabelschnur nicht länger die Blutzufuhr versorgt. Bei Kohana geschah dies nicht. Es gab keine Möglichkeit, das vorher zu wissen, und selbst wenn wir es gewusst hätten, wäre es nicht behandelbar oder zu operieren gewesen. Wäre sie mit diesem Fehler in der Wildnis geboren worden, hätte sie vermutlich nicht so lange gelebt, angesichts der extremen Umstände dort: tiefes Tauchen, Rangkämpfe, intensive Jagdtechniken und extreme Wetterlagen. In menschlicher Obhut wurde sie solchen Extremen nicht ausgesetzt, was ihr Leben wahrscheinlich mindestens ein Jahrzehnt verlängerte. In ihrem Fall war das Ganze einfach eine tickende Zeitbombe.

Keto hatte eine spezifische, unbekannte, bakterielle Langzeitinfektion. Seine Gesundheit verschlechterte sich schrittweise, und die Tierärzte konnten die Ursache nicht finden. Wir nehmen regelmäßig Abstriche aus dem Blasloch und legen davon Kulturen an, aber diese Bakterien konnten mit unseren konventionellen Methoden nicht angezüchtet werden. Letztendlich haben wir eine Probe an Spezialisten in Spanien geschickt, die die Bakterien identifizieren konnten, aber das dauerte über 45 Tage. Keto starb an akuter und sehr ernster Lungenentzündung, verursacht durch diese Bakterien. Wir konnten einfach nicht schnell genug die richtige Diagnose stellen, und ohne Diagnose ist eine zielgerichtete Behandlung unmöglich. Wir haben verschiedene Antibiotika ausprobiert, aber auch die halfen nicht. Inzwischen haben wir bessere Methoden, die auch hilfreich sein können, andere Orcas zu behandeln (sowohl in freier Wildbahn als auch in Menschenobut).

Ula’s Tod war besonders tragisch. Wir hatten eine lange Zeit Mühe mit ihrer Nahrungsverträglichkeit. Es gab Zeiten, wo das Fressen für sie beinahe unmöglich war. Letztendlich ergab die Todesursache eine unvollständige Darmverschlingung und eine ernste Infektion. Wir haben alle Experten zu Rate gezogen, die wir finden konnten, und sie aus der ganzen Welt einfliegen lassen. Ihre Futterzusammenstellung wurde aufmerksam überwacht. Wir haben wirklich alles getan, was in unserer Macht stand, um ihr zu helfen. Gerade, als es ihr besser zu gehen schien, starb sie doch noch.

Letztendlich war es sehr unglücklich und viel Pech, dass all diese Situationen in einem kurzen Zeitabstand auftraten. Diese Todesfälle geschahen unabhängig voneinander und wurden durch unabhängige Tierärzte als natürliche Ursachen bestimmt, unbeeinflusst durch die Umstände in menschlicher Obhut, in der die Tiere lebten. Wir sind uns der vielen Gerüchte und Märchen bewusst, die im Internet zirkulieren. Sogar ein oder zwei ehemalige Tierärzte von uns sprechen sich negativ über die Todesfälle hier im Loro Parque aus. Ein Tierarzt war im Urlaub als eins unserer jungen Weibchen ernsthaft krank wurde. Er weigerte sich, aus dem Urlaub zurückzukehren um es zu behandeln. Wir mussten daher einen Tierarzt aus SeaWorld einfliegen. Das Tier starb, und derselbe ehemalige Tierarzt führte auch die Nekropsie durch – die einzige Nekropsie die nicht von der unabhängigen Universität ausgeführt wurde – und der konnte keine Todesursache bei dem Tier feststellen, das unter seiner Verantwortung gestorben war. Nach diesem Vorfall haben wir uns von ihm getrennt, weil wir das Gefühl hatten, dass seine Prioritäten nicht auf dem Wohl dieser Tiere lagen. Seitdem ist er sehr extrem gegen das Halten von Orcas in Menschenobhut. Auffällig ist auch, dass er bei unserer Präsentation der Nekropsieberichte auf dem Orca-Symposium nicht anwesend war. Er kam erst einen Tag später an. Das wäre ein guter Moment gewesen, mit anderen Tierärzten, Experten und unserem Team zu diskutieren. Leider ist eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr zustande gekommen.

Was ist eure Vision und Rolle in der Situation, die sich momentan im Marineland Antibes in Frankreich abspielt?

Als die französische Regierung ankündigte, dass ein neues Gesetz kommen wird, das das Präsentieren von Orcas an die Öffentlichkeit verbietet, war es vollkommen logisch, dass Marineland sich auf die Suche nach einer neuen Unterkunft für seine Orcas machte. Das Hauptziel eines Zoos ist es immer, seine Tiere einer Öffentlichkeit zu zeigen und die Orcas nahmen fast die Hälfte der Parkfläche ein. Weiterhin geöffnet zu bleiben, war dann logischer Weise nicht mehr möglich. Sie fanden ein neues Zuhause für ihre Tiere in Japan, aber Tierrechtsaktivisten blockierten diesen Beschluss mit einer Klage, verzögerten das Urteil und die betroffenen Behörden dabei. Letztendlich fiel Japan als Option aus.

Zu diesem Zeitpunkt wurden wir von den französischen Behörden gefragt, ob wir Informationen über unsere Orcahaltung teilen könnten und ob wir bereit wären, diese Tiere eventuell aufzunehmen. Unsere Antwort damals – und noch immer- war: „Ja natürlich!“ In dem Moment, in dem die Aktivisten den Transport verhinderten, wurde es für uns eine Notsituation: diese Tiere brauchen einen Ort an dem sie gut versorgt werden von Fachkundigen. Was ich ironisch finde ist, dass Marineland um die 4000 Tiere hatte: Seelöwen, Fische, Haie, Schildkröten, Vögel... aber die einzigen Tiere, bei denen das Finden eines neuen Zuhauses problematisch scheint – und wogegen Klagen angestrengt werden – sind die Orcas und Tümmler. Man sieht keine Aktivisten gegen den Transport von Haien oder Seelöwen protestieren. Das ist zumindest auffällig.….

Letzten Endes bleiben nur noch zwei seriöse Optionen übrig: Ein „Sanctuary“ oder Loro Parque. Aber es gibt momentan kein funktionierendes Sanctuary für Orcas, also gaben sowohl die französische Regierung als auch Marineland der spanischen Regierung ihre Zustimmung, die Orcas zum Loro Parque zu bringen. Die Erlaubnis wurde angefragt, aber kurz danach durch die spanischen Behörden verweigert. Der Grund, den sie uns nannten, war, dass wir nicht genug Platz hätten, um noch mehr Orcas zu halten. Das überraschte uns enorm, denn wir haben mehr als genug Platz. Wir haben in der Vergangenheit doch viel mehr Orcas auf demselben Platz gehalten als jetzt. Wir fragten sie, wie sie auf diese Idee gekommen waren. Ihnen zufolge hatten sie einen Bericht erstellt, und nutzten dafür die Richtlinien der EAAM (European Association for Aquatic Mammals) um zu berechnen, wieviele Orcas und Tümmler wir halten dürfen. Wir verwenden schon jahrelang dieselben Richtlinien und unter diesen Vorgaben haben wir mehr als genug Platz. Wir verstanden nicht, wie sie zu dieser Schlussfolgerung gekommen waren. Wir versuchten, Einsicht in deren wissenschaftlichen Bericht zu erhalten, und auf die Berechnungen auf denen ihr Urteil basierte, aber bis heute haben sie das verweigert (ihnen zufolge ist das „nicht nötig“). Darum arbeiten wir jetzt mit unseren Anwälten daran, Zugang zu diesem Bericht zu bekommen, der nach den Richtlinien der spanischen Transparenz zugänglich sein muss.

Denn deren Aussage hat zwei Folgen: Es bedeutet nicht nur, dass die Orcas vom Marinelnd nirgends mehr hin können, sondern auch, dass sie öffentlich erklären, dass unsere Einrichtung zu klein wäre, dass wir keine weiteren Orcas oder Tümmler mehr züchten oder aufnehmen dürften, und dass wir laut ihrer Logik selbst in der Vergangenheit zuviele Tiere gehalten hätten. Das ist einfach nicht wahr, und das wollen wir richtigstellen.

Wir sind noch immer bereit, die zwei Orcas und zwei Tümmler von Marineland aufzunehmen. Wir haben die Erfahrung, das Personal und die Einrichtungen dafür. Es ist ärgerlich, dass immer mehr Delfinarien und Parks mit Walartigen unter Druck gesetzt werden, oder sogar ihre Tore schließen müssen. Damit wird das Problem an sich nicht gelöst. Nehmt Frankreich als Beispiel: Ja, Marineland wurde nun geschlossen. Aber es werden noch immer dutzende Delfine jedes Jahr in Fischernetzen getötet, in französischen Gewässern und darum herum. Viel weniger Menschen scheinen dagegen aufzubegehren als gegen die Sache im Marineland, die alle Schlagzeilen in den Zeitungen bestimmt. Das hat sich nach der Schließung von Marineland nicht verändert. Das Einzige was sich verändert hat, ist, dass viel weniger Menschen wissen, was im Meer geschieht, oder die es überhaupt noch interessiert, denn sie werden nun nie mehr einen Delfin aus der Nähe betrachten können.

 Oben: Tenos erste wirklich erfolgreiche Trainingseinheit unter der Nutzung von Wackelpudding und Eis als eventuelle Belohnung, wie es im Interview beschrieben wurde.                                    

Beobachtung

Wir wurden erst aufgefordert, eine Trainingseinheit mit Morgan und Teno zu beobachten im Hauptbecken. Dies ist das größte Becken im Loro Parque. Es war deutlich sichtbar eine Spieleinheit, wobei verschiedene Spielsachen als Beschäftigung angeboten werden. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Poolnudeln, Wackelpudding, Eiswürfel und andere Objekte. Teno schwamm die ganze Zeit über nah bei Morgan, aber erforschte auch eigenmächtig alles ein kleines Bisschen. Dennoch wich er nicht weit von der Seite seiner Mutter. Morgan war sehr entspannt und reagierte gut auf die Trainer. Der kleine Teno hatte auch Interaktionen mit den Trainern, vor allem wenn er Gegenstände angeboten bekam. Man konnte deutlich sehen, dass er Interesse hatte, auch wenn kein Futter benutzt wurde (da er noch bei seiner Mutter säugt). Dies deutete darauf hin, dass er schon eine Verbindung aufbaut mit seinen Tierpflegern, unabhängig von einer Motivation durch Futter; ein sehr positives Zeichen. Alles in allem war dies ein sehr guter Start in den Tag, der direkt zeigte, wie ruhig und vertraut beide Tieren in menschlicher Obhut sind, und wie effektiv das Training ist. (Am folgenden Tag, nach der Orcashow, waren wir auch Zeuge von Tenos erster echter Trainingseinheit, wobei er das erste Mal auf ein Target reagierte! Zur großen Freude und Begeisterung der Trainer). Wir konnten das Duo auch längere Zeit unter Wasser beobachten, durch die Fenster die sich unter der Showbühne befinden. Wir sahen Morgan und Teno in zwei verschiedenen Poolsystemen. Sie schwommen die ganze Zeit dicht beieinander. Ich sah Teno bei Morgan säugen, und die zwei waren auch sehr neugierig: Sie kamen zur Scheibe um uns zu betrachten und wir hatten eine lange Interaktion mit ihnen. Später bekamen wir auch die Chance, sie draußen an den hinteren Becken zu beobachten. Sie waren aktiv und nutzten das komplette Poolsystem, in dem sie sich zu diesem Zeitpunkt befanden. Sie schwammen nicht in Kreisen und kamen an verschiedenen Orten zur Oberfläche, nicht immer am selben Ort. Sie schwammen auch mal auf dem Rücken und veränderten ihre Geschwindigkeit oder Haltung. Es war kein wiederkehrendes Verhalten sichtbar, das als Stereotypie interpretiert hätte werden können. Ich sah soziales Verhalten zwischen den beiden, wie Säugen, zusammen spielen, und Teno der mit seinem Kopf gegen Morgans Bauch drückte (was auch mit dem Säugen zu tun hat). Wenn Trainer oder andere Tierpfleger in der Nähe waren, zeigte Morgan neugieriges Verhalten und näherte sich von sich aus, auch außerhalb von Trainingseinheiten und ohne, dass Belohnungen vorhanden waren.

Erkenntnisse

Nach meinem Gefühl zeigen Morgan und Teno ein typisches Mutter-Kalb-Verhalten, so wie ich es auch bei vielen anderen Meeressäugetieren gesehen habe. Teno schwamm immer dicht bei Morgan, schwimmt meist unter ihrem Bauch, und die zwei berührten einander fortlaufend in Mutter-Kalb-Manier. Morgan schien eine vorbildliche Mutter zu sein, die gut auf ihr Kalb aufpasst, auch wenn er sich einige Meter von ihr entfernt. Teno ist darüber hinaus mit dem Abschälen seiner Haut beschäftigt, was aus der Nähe gut zu sehen war in Form von allerlei Flecken auf seinem Körper. Orcakälber werden mit einer braunen, fast orangenen Färbung geboren, bei den Hautstellen die bei Erwachsenen weiß sind. Dies wird immer heller je älter sie werden. Sie scheinen eine sehr gesunde Beziehung zu ihren Trainern und Versorgern zu haben, die ganz klar nicht nur durch Futter beeinflusst wird, wie Tierrechtsaktivisten oft behaupten, wenn sie über Meeressäugetiere in menschlicher Obhut sprechen. Wir besuchten den Park auch als normale Besucher am Tag danach, um zu sehen ob noch etwas anderes auffiel oder es zusätzliche Beobachtungen gab.

 

Schlussfolgerung

Auch ich erschrak mich, als ich von den vielen Todesfällen im Loro Parque hörte. Auch über die verschiedenen Beschuldigungen die online zu sehen sind (sogar von Tierärzten) erschrak ich heftig. Wie konnte dies wahr sein? Ich besuchte den Park seit 15 Jahren und die Tiere machten immer einen aktiven und gesunden Eindruck, allesamt! Vor diesen Todesfällen lebte die Ursprungsgruppe Orcas schon seit 2006 im Loro Parque, ohne Todesfälle oder Krankheiten und nun starben innerhalb kurzer Zeit mehrere Orcas. Konnte dies die Schuld des Parks sein? Ich bin selbst keine Tierärztin und kann nur von den Beobachtungen ausgehen, die ich selbst gemacht habe. Unzählige Male besuchte ich den Park in den vergangenen Jahren. Die Pflege der Orcas war ausgesprochen gut. Die Tiere machten alle einen aktiven und gesunden Eindruck, die Parkbetreiber sind immer transparent gewesen in Bezug auf das Training, tierärztliche Versorgung, Fütterung und alle andere Aspekte rund um die Orcas. Nachdem ich begriff, dass durch unabhängige Experten ein Bericht aufgestellt wurde, und nach dem Lesen der Berichte über die Todesursachen, bin ich ganz davon überzeugt, dass mehrere der Beschuldigungen online nicht stimmen. Der Beweis steht überdeutlich auf Papier, untersucht von mindestens zwei unabhängigen Teams, die absolute Experten in dem Fach sind. Ich bin auch bestimmt offen für die Möglichkeit, dass die Menschen, die sich gegen den Loro Parque aussprechen, von Tierrechtsaktivisten beeinflusst wurden oder durch beispielsweise einer Entlassung wie im Interview erwähnt. Das wäre auch nicht das erste Mal in diesem Berufsfeld. Es bleibt eine schwierige Frage. Nochmals, ich bin keine Tierärztin und habe nicht das Wissen um definitiv zu sagen, was stimmt oder nicht stimmt, oder welche „Seite“ Recht hat. Ich bin allerdings eine Tierpflegerin und kann davon ausgehen, was ich selber sehe und beobachte. Das ist im Loro Parque eigentlich immer positiv gewesen. Meine Beobachtungen und Gefühle weichen auch nicht ab von den Tagen, an denen ich den Park als normale Besucherin aufsuchte. Die Transparenz des Loro Parques und seiner Mitarbeiter, ebenso die Zuwendung und Pflege für seine Tiere und die Natur im allgemeinen, sprechen auch wirklich für sich finde ich. Ich rate jedem ganz stark, Zoos und andere Einrichtunge,n die von Tierrechtsaktivisten oder Extremisten negativ dargestellt werden, selbst zu besuchen, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Ich denke, dass selbst jemand ohne viel Wissen über Tiere zu dem Schluss kommen kann, dass die Tiere im Loro Parque gut versorgt werden und absolut nicht misshandelt werden. Ich respektiere, dass es verschiedene Meinungen gibt zum Halten von Tieren in Menschenobhut allgemein, aber das Beschuldigen zum Missbrauch und das Äußern falscher Anschuldigungen ist eine sehr ernsthafte Angelegenheit und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Sicher ist es in der heutigen Zeit von sozialen Medien sehr leicht, eine Organisation in ein schlechtes Licht zu rücken und Menschen zu beeinflussen, mit falschen Informationen, manipulierten Fotos und unwahren Erklärungen. Das ist einfach nicht in Ordnung und überhaupt keine korrekte Art einen eigenen Standpunkt zu verteten. Genau wie im vorigen Artikel bin ich froh, sagen zu können, dass die neuesten Beschuldigungen verschiedener Tierrechtsorganisationen erneut unwahr erscheinen. Beobachtet, lernt, und vor allem: Schützt die Natur und ihre Tiere, wie immer es euch möglich ist!